Feueralarm im Seniorenheim Villa Auenwald

  • 03.08.2019

Keine Angst, es war nur eine Übung! Und das positive gleich voran – die Übung lief sehr positiv ab. Daher möchte ich als Einrichtungsleiter gleich an dieser Stelle meinen Dank und Respekt an alle Mitarbeiter des Seniorenheimes Villa Auenwaldes aussprechen.

Vielen lieben Dank!

Dank aber auch an den Feuerwehrchef Branddirektor Ing. (FH) Peter Heitmann, Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg Marcus Schüttel, Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen Roberto Karthe, dem Brandschutzbeauftragten der Emvia Living GmbH Christian Rümmler (Herr Rümmler hat hierfür sogar seinen Urlaub pausiert) und allen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, die an der Übung teilgenommen haben. Nicht zu vergessen, einen großen Dank an unsere Bewohnerinnen und Bewohner, die sich ruhig haben leiten lassen, den Anweisungen des Personals folge getragen und die Übung zwei Stunden mit gemacht haben.

Wie kam es zu der Idee, seit wann liefen die Vorbereitung, was wurde alles organisiert und geplant?

Die Vorbereitungen zu dieser Übung begannen bereits im Februar 2019, als ich als Einrichtungsleiter diese Idee hatte.
Nichts ist so schlimm, wie im Ernstfall keinen Plan zu haben. Wir hoffen alle, dass so eine Extremsituation nie eintrifft. Doch was machen wir, wenn der Tag kommt? Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf und als Chef der Einrichtung auch eine gewisse Angst. Können wir das? Wie reagieren meine Mitarbeiter? Organisieren sie sich untereinander? Stimmt die Alarmierungskette?
Viele Fragen bewegten mich dazu, mit der Pflegedienstleitung Frau Fricke und unserem Haustechniker Herrn Hartelt gemeinsam ins Gespräch zu gehen.
Beide fanden die Idee gut, dass wir als Einrichtung den Ernstfall üben. Im gemeinsamen Austausch überlegten wir, was wir alles vorbereiten und bedenken müssen. Nach einer groben Planung wurde Herr Branddirektor Ing. (FH) Peter Heitmann als Feuerwehrchef der Stadt Leipzig zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. In dem Gespräch wurde das grobe Konzept weiter geplant, Ideen verworfen und neu aufgerollt. Herrn Heitmann war es wichtig, für alle Beteiligten einen positiven Effekt aus der Übung zu nehmen. Mit der Freigabe der Übung und der Empfehlung, die Übung für die Mitarbeiter anzukündigen, gab Herr Heitmann die weitere Planung an die Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg und Burghausen ab.

Für die weitere Planung wurde das noch immer sehr grobe Konzept der Geschäftsführung, der Marketingabteilung und dem Brandschutzbeauftragten vorgestellt. Alle Abteilungen erteilten uns die Freigabe. Somit konnten wir die Übung konzeptionell verfeinern. In der Zwischenzeit wurden noch fünf weitere Brandschutzhelfer (siehe Beitrag Ausbildung Brandschutzhelfer vom 15.05.2019) ausgebildet.

In Teamarbeit von Frau Fricke, Herrn Hartelt und mir, erstellten wir ein komplett durchstrukturiertes Übungskonzept. Dieses Manuskript wurde noch einmal in Zusammenarbeit mit Herrn Schüttel, dem Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg, durchgesprochen und angepasst. Mit der Freigabe durch alle Beteiligten legten wir den Termin auf den 03.08.2019 fest. Um keine Panik in der Umgebung der stationären Pflegeeinrichtung und bei unseren Senioren sowie deren Angehörigen hervorzurufen informierten wir alle postalisch.

Sie sehen also, dass so eine kurze Übung ein monatelanges Projekt ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die wir gern investiert haben. Aber wie lief alles ab und was können wir noch verbessern?

Im Rahmen dieser Übung gab es dieses Jahr zwei Unterweisungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung. Herr Hartelt hielt die Schulung direkt an unserer Brandmeldeanlage. Auch wenn viele Mitarbeiter diese Unterweisung schon mehrmals mitgemacht haben, waren sie diesmal aufmerksamer, da alle wussten, dass sie auf Herz und Nieren geprüft werden. Alle frei zur Verfügung stehenden Mitarbeiter wurden für den Dienst eingeplant.


  

Am 03.08.2019 war es dann soweit. Das Führungsteam traf sich kurz nach 08.00 Uhr zur letzten gemeinsamen Absprache. Alle zusätzlich geplanten Mitarbeiter wurden zur Unterstützung in die Wohnbereiche geplant oder übernahmen eine Rolle (hierzu gleich mehr). Frau Fricke, Herr Hartelt, Herr Rümmler und ich übernahmen die internen Beobachter. Unsere Ergotherapeutinnen teilten wir die Rolle der Fotografen zu. Alle Sonderposten wurden mit orangen oder gelben Warnwesten mit Beschilderung der Funktion ausgestattet.

 die Ruhe vor dem Strum
die Ruhe vor dem Sturm

     


Kurz vor 10.00 Uhr wurden die Nebelmaschinen auf dem Wohnbereich 4 – Domholz angeworfen. Mit einer starken Rauchentwicklung (Nebel) wurde ein Küchenbrand simuliert. Die Rauchmelder erfassten sofort die Gefahrenlage und ein schriller ohrenbetäubender Alarmton war im gesamten Haus zu hören.

   

Innerhalb von nur einer Minute waren alle Abteilungen durch mindestens einen Mitarbeiter, ausgerüstet mit einem Telefon, an der Brandmeldeanlage. Besonnen und ruhig wurde analysiert, wo ist der Brand und wer übernimmt ab jetzt die Aufsicht. Als Wohnbereichsleitung übernahm Frau Rönsch die Leitung. Der Wohnbereich Domholz wurde telefonisch aufgefordert, die Lage zu erkunden. Sie bekam die Information, dass eine starke Rauchentwicklung in der Wohnbereichsküche ist. In Sekundenschnelle teilten sich die Mitarbeiter auf, um den Notruf an die Feuerwehr abzusetzen, den Haustechniker, die Pflegedienstleitung und den Einrichtungsleiter zur Unterstützung anzufordern.

   

Einen kurzen Moment war Unruhe und Unsicherheit zu spüren, die sich aber sofort wieder in ein besonnenes Handeln wandelte. Frau Rönsch legte fest, wer die Feuerwehr am Eingangstor einweist und kommandierte Personal zur Unterstützung der Evakuierung ab. Kurz danach war die Sirene in Böhlitz-Ehrenberg zu hören. Im Ernstfall, wie in der Übung, wurden die Bewohner in den nächsten Brandabschnitt evakuiert. Dies planten die Mitarbeiter in Absprache mit Frau Rönsch für den Wohnbereich Carl Meyer und Domholz. Dabei wurden alle Bewohnerinnen und Bewohner in den jeweiligen Aufenthaltsraum gebracht. Ein bis zwei Mitarbeiter kümmerten sich um die Senioren und beruhigten diese (wohlbemerkt noch immer alles bei einem ohrenbetäubendem Alarmton).

        

Während der Evakuierung streuten wir zuvor organisierte Statisten ein. So stellten die Mitarbeiter fest, dass eine hilflose Person mit der Evakuierungsmatte aus dem Gefahrenbereich getragen werden muss und eine demente Person eingeschlossen ist.

    

Diese neuen Informationen wurden sofort an die Wohnbereichsleitung weitergegeben. Kurz danach fanden sie weitere Personen, einen Mitarbeiter mit schweren bis schwersten Verbrennungen und einen Mitarbeiter mit Schockstarre. Bei der Informationsweitergabe merkte man die Anspannung aller Personen, die unter enormen Druck standen. Das Vorgehen war weiterhin ruhig und koordiniert.

  

Herr Hartelt stand ab dem Moment offiziell zur Unterstützung mit zur Verfügung. Die zu informierenden Personen haben vor der Übung die Zeit gestoppt, die sie bei Alarmierung benötigen, um die Einrichtung von zu Hause aus zu erreichen. Frau Rönsch und Herr Hartelt strukturierten den weiteren Ablauf. In dieser Zeit versorgten die Mitarbeiter in den Wohnbereichen die drei Statisten. Die Versorgung wurde durch Frau Fricke (Pflegedienstleitung) begutachtet und als positiv bewertet.

   

Dann traf endlich mit Blaulicht und Martinshorn die Unterstützung durch die Feuerwehr ein. Auf Grund der guten Informationsweitergabe durch unsere Wohnbereichsleitung wurden die Fahrzeuge in Stellung gebracht, Schläuche ausgerollt und Atemschutzgeräte angelegt. Sehr zügig begann die Feuerwehr den Löschtrupp aufzustellen und Löschschläuche zu verlegen.

                               

Kurz danach konnte schon die Drehleiter in Stellung gebracht werden, um die eingeschlossene Person über den Drehleiterkorb zu evakuieren. Von Innen wurde die Statistin sehr professionell vom Personal beruhigt. Dabei zeigte sie ein sehr realistisches schauspielerisches Talent. Sie lies sich nicht so einfach überreden in den Korb zu steigen und beschimpfte aus Angst die Mitarbeiter der Feuerwehr. Sie hielt die Retter eine ganze Zeit lang hin. Dies war auch so gewollt, denn die Ortswehrleiter wünschten sich auch einen Test für die freiwilligen Kameraden der Feuerwehr. Die Rettung über die Drehleiter gelang schlussendlich doch.

           

Ab diesem Moment traf ich als Einrichtungsleiter offiziell ein und informierte mich bei Frau Rönsch über die Lage. Immer noch unter Anspannung aber ruhig und koordiniert gab sie mir alle wichtigen Informationen weiter. In Absprache mit ihr und der Feuerwehr unterstütze ich das Vorgehen (10.30 Uhr). Für den weiteren Ablauf und um unsere Senioren nicht weiter zu strapazieren wurde ab dem Moment der akustische Warnton ausgeschalten.

        

Um weiteres Chaos zu verbreiten und die Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung und der Feuerwehr zu testen kamen noch zwei weitere Statisten ins Spiel. Auf einmal sprang eine Mitarbeiterin hysterisch auf und rannte über den Gang. Sie wurde ebenso evakuiert. Hierzu wurde von der Pflege Personal an der von der Feuerwehr eingerichteten Sammelstelle abgestellt. Mittlerweile gab es eine in schockstarre geratene Person, eine schwerbrandverletzte Person, eine über die Drehleiter evakuierte Person und eine hysterisch herumlaufende Person.
Damit nicht genug, kippte beim Rundgang noch der Haustechniker um und war bewusstlos. Kurz darauf traf eine Pflegefachkraft ein, die sofort die fachgerechte Versorgung mit stabiler Seitenlage und Vitalzeichenkontrolle übernahm (Blutdruck und Puls). In der Stresssituation noch leicht hektisch sammelte sie sich schnell und reagiert folgerichtig. Weiteres Personal wurde zur Unterstützung angefordert und erste Evakuierungsversuche unternommen. Die Weitergabe der Informationen an die Feuerwehr funktionierte hervorragend. Kurz danach waren zwei Kameraden vor Ort. Die Evakuierung fand gemeinsam mit der Feuerwehr und Pflege statt (knapp 11.00 Uhr).

                      
Für den Innbereich wurde der Alarm aufgehoben, um die Bewohnerinnen und Bewohner nicht weiter zu überlasten. Im Außenbereich sorgten wir weiter für Chaos. So rannte die hysterische Person wieder durch die Gegend, die nächste rannte hinterher und beim Haustechniker setzte die Atmung aus. Für die Reanimationsübung wurde eine Puppe bereitgelegt. Abwechselnd führten die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr und das Pflegepersonal die Reanimation durch. Dabei kamen alle stark ins Schwitzen.

                      

Gegen 11.45 Uhr wurde der Einsatz offiziell beendet. Für die Mitarbeiter des Hauses und der Feuerwehr wurden Getränke aufgestellt. Im Anschluss führten wir als Einrichtung sowie die Feuerwehr zunächst getrennt eine Auswertung durch und dann gemeinsam. Die gewonnen Fakten wurden separat weitergegeben.

   
   

Was lief gut und was können wir als Einrichtung noch besser machen?

Positiv:

  1. Es gab Lob von der Feuerwehr und vom Brandschutzbeauftragten der Emvia Living
  2. Es gab nur kurze Unruhemomente, die Mitarbeiter haben sich sofort wieder gesammelt
  3. Die Alarmierungskette wurde eingehalten und alle schnell informiert
  4. Die Versorgung der Verletzten war hochprofessionell
  5. Die Zusammenarbeit funktionierte gut
  6. es entstand kein Chaos (obwohl immer wieder neue Stressmomente eingestreut wurden)

Zu verbessern:

  1. Keine Fachbegriffe an die Feuerwehr weitergeben (einfach formulieren)
  2. Klare Kommunikation wie Wohnbereich 1 im Erdgeschoss
  3. Ruhige Kommunikation untereinander und alle Bereiche durchgehend besetzen

Im Anschluss an die Auswertung gab es für unsere Mitarbeiter und die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Böhlitz-Ehrenberg sowie Burghausen Kartoffelsalat mit Steak und/oder Bratwurst.

   

Ich als Einrichtungsleiter kann sagen, dass ich vor der Übung sehr aufgeregt war und mit viel chaotischeren Zuständen gerechnet habe. Ich wurde eines Besseren belehrt! Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter, die diese Übung so realistisch mit gemacht haben. Die Vorgaben aus der Brandschutzbelehrung wurden eingehalten, die Bewohner und verletzten Personen ausgezeichnet versorgt. Das gesamte Vorgehen war strukturiert und planvoll.

Mein ganz großer Respekt und Dank an Alle, die dazu beigetragen haben, dass die Übung so großartig lief.

Ihr Einrichtungsleiter – Carsten Mühlfriedel

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